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Verantwortungsvolles Management, Beschaffung natürlicher Ressourcen, relevante Nachweisverfahren und Zertifizierungssysteme

Andreas Knoell ist CSR-Berater und studiert neben seiner beruflichen Tätigkeit an der Leuphana Universität Lüneburg den MBA Sustainability Management. Im Interview berichtet Knoell wie er all das unter einen Hut bekommt und wie es bei ihm zum Thema Nachhaltigkeit gekommen ist.

24.09.2015

LEUPHANA: Herr Knoell, Sie beraten Unternehmen und Organisationen zu Themen wie verantwortungsvolles Management und Beschaffung natürlicher Ressourcen, relevante Nachweisverfahren und Zertifizierungssysteme, wie z.B. dem FSC. War das schon lange ein Berufswunsch oder hat es sich durch bisherige Etappen im Leben so ergeben?

ANDREAS KNOELL: Bisherige Etappen waren sicherlich wegweisend für mein aktuelles Tätigkeitsprofil. Diese wiederum wurden durch meine Wünsche und Neigungen geprägt, was ich als großes Glück empfinde. Das Interesse an einem verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen wurde in jungen Jahren durch das Aufwachsen im Odenwald geprägt. Dadurch entwickelte sich auch der inhaltliche Schwerpunkt der nachhaltigen Nutzung von Wäldern, der über die Zeit erweitert wurde: Zum einen um interdisziplinäre Arbeitsansätze durch das Studium der Ethnologie sowie der Holzwirtschaft. Zum anderen um landwirtschaftliche Produkte und deren globale Lieferketten durch die Ausweitung der fachlichen Expertise. Die aktuelle Tätigkeit als Inhaber einer Beratungsunternehmung hat sich als reizvolle Möglichkeit der beruflichen Weiterentwicklung ergeben, da ich zuvor mehrere Jahre als angestellter Berater weltweit tätig gewesen bin. Somit treffen im Grunde beide in der Frage genannten Optionen zu.

Sie beschäftigen sich besonders mit Nachhaltigkeitsfragen der internationalen Forst- und Holzwirtschaft. Wie grün ist diese heute? Vor welchen Herausforderungen steht sie?

Im globalen Kontext gesprochen ist das regional sehr unterschiedlich. Während wir in einigen waldreichen Ländern eine Zunahme der Umsetzung von nachhaltigen Bewirtschaftungsmustern erkennen können, gibt es andere, in denen eine nachhaltige Nutzung bereits an der Nicht-Einhaltung von nationalen gesetzlichen Vorgaben scheitert. Insgesamt wächst seit einigen Jahren der Druck v.a. seitens der öffentlichen und privaten Konsumenten durch eine erhöhte Transparenz innerhalb der Lieferkette die Bedingungen in den Produzentenländern zu verbessern. Entscheidend ist, inwiefern die örtlichen Rahmenbedingungen eine nachhaltige Waldbewirtschaftung begünstigen. Insgesamt sehen wir eine zunehmenden Nutzungsruck auf Naturwaldflächen und ebenso eine steigende Umwandlung von Waldflächen in andere Nutzungsformen, speziell zur Produktion von landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Instrumente wie forstliche Zertifizierungssysteme einschließlich der Überprüfung der Lieferketten oder öffentliche Beschaffungsrichtlinien sind etabliert worden, auch um in Konsumentenmärkten nachweislich nachhaltige Forstprodukte anbieten zu können. Eine Herausforderung besteht darin eine weitere Ausweitung der zertifizierten Waldflächen zu unterstützen, da diese die Rohstoffbasis für alle folgenden Lieferketten bildet. Doch selbst in Ländern wie Deutschland, in dem mehr als 7 Mio. ha Waldfläche nach mindestens einem der beiden anerkannten Systeme FSC und PEFC zertifiziert sind, muss die lokale Nachfrage nach zertifizierten Forstprodukten noch gesteigert werden.

Inwieweit hilft Ihnen die akademische Ausbildung diesen Herausforderungen der Holzwirtschaft zu begegnen?

Eine akademische Ausbildung ist nach wie vor die Grundlage, auf die die notwendige praktische Arbeitserfahrung aufbauen kann. In der konkreten Umsetzung von spezifischen Elementen von Nachhaltigkeitsstrategien ist es jedoch eher die Praxiserfahrung, die gefragt ist. Ich kann klar bejahen, dass die interdisziplinäre akademische Ausbildung in Kombination mit 15 Jahren Arbeitserfahrung in 30 Ländern zu einem Mix aus neutraler technischer Expertise und sogenannten „soft skills“ geführt hat, der von einer Vielzahl von Organisationen dauerhaft nachgefragt wird.

Parallel zu Ihrer Tätigkeit als Berater studieren Sie aktuell noch an der Leuphana Universität Lüneburg den MBA Sustainability Management Studiengang. Wieso haben Sie sich entschieden neben dem Beruf weiter zu studieren?

Dieser MBA ist mir seit seiner Gründung bekannt und ich habe seine Entwicklung aus der Distanz verfolgt. 2012 kehrte ich nach mehreren Jahren im Ausland nach Deutschland zurück und bewarb mich 2013 als absehbar war, dass die Existenzgründung erfolgreich verlaufen würde. Für mich stellt dieser MBA die ideale Ergänzung meines bisherigen Profils um die ökonomische Seite des Nachhaltigkeitsparadigmas dar. Ich erweitere damit meinen Wissenshorizont und somit mittelfristig auch mein Tätigkeitsspektrum. Genauso wie beim Zweitstudium der Ethnologie und Geographie bin ich mir bewusst, dass sich der wahre Mehrwert dieser zusätzlichen Ausbildung erst im Laufe von Jahren zeigen wird. Diesem Entfaltungsprozess sehe ich mit Spannung und Freude entgegen.

Gelingt es Ihnen als selbständiger Berater Studium, Beruf und Freizeit unter einen Hut zu bringen? Glauben Sie, dass es einfacher oder schwerer ist, wenn man sich in einem klassischen Angestelltenverhältnis bei einem Unternehmen befindet?

Studium, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen, so dass alle „stakeholder“ zufrieden sind, stellt wahrscheinlich die größte Herausforderung während des Studiums dar. Vor allem im ersten Jahr kam es zu Belastungsspitzen und einer starken Einschränkung der verfügbaren Freizeit. Im zweiten Jahr habe ich einige Verbesserungen der organisatorischen Abläufe im Studium vorgenommen, so dass ich mit dem momentanen Verlauf keine Schwierigkeiten habe. Das Ende ist überdies absehbar. Die Selbständigkeit erlaubt es mir, benötigte Zeitkontingente bedarfsgerecht für das Studium zur Verfügung zu stellen. Damit ist ein effizientes Zeitmanagement möglich. Da die Andreas Knoell Consulting über eine sehr gute Grundauslastung verfügt, glaube ich inzwischen, dass die Selbständigkeit in meinem Fall das parallele Studieren unterstützt. Flexibilität und Arbeitswillen sind hierbei ausschlaggebende Aspekte, da es eben keine geregelten Arbeits- und damit planbare Freizeiten gibt.


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